Vom Grosstadt-Dschungel in den Bärenwald

New York-Vancouver-Bella Bella-Great Bear Rainforest
September 2016

Dieser Reisebericht fällt zwar ein wenig kürzer aus, aber das heisst nicht, dass wir auch weniger erlebt haben. Ganz im Gegenteil – es war eine super Reise mit vielen Eindrücken und Erlebnissen.

Den Aufenthalt in der Lodge im Great Bear Rainforest in British Columbia mussten wir schon lange im Voraus buchen. Bald haben wir dann gemerkt, dass in dieser Zeit die US Open stattfinden und so haben wir uns beim Buchen des Fluges spontan entschieden einen Zwischenstopp in New York einzulegen. Unser letzter Besuch in dieser Stadt ist nämlich schon 7 Jahre her und uns interessierte was sich seither verändert hat.

Die ersten 3.5 Tage verbrachten wir also in New York – das Wetter zeigte sich von der allerbesten Seite mit Temperaturen über 30 Grad. Was sich angenehm warm anhört ist im Hochhaus-Dschungel der Grossstadt fast nicht zum Aushalten. Geht man dann noch in die Subway-Stationen wird das Ganze unerträglich schwül und richtig heiss – fast wie im Backofen. Abhilfe schafft dann die klimatisierte Subway, wenn man jetzt aber in der Rushhour einen Wagen erwischt, bei dem die Klimaanlage defekt ist, wird es richtig übel.

Unsere Tage waren fast zu kurz für die Stadt, die niemals schläft. Es musste Tennis geschaut werden (Viertel- und Halbfinal vom späteren US Open Gewinner Stan Wawrinka gegen Juan Martin del Potro und Kei Nishikori), die Aussichtsplattform des One World Trade Centers – welches nun das höchste Gebäude von New York ist – besucht werden, über die Brooklyn Bridge gelaufen werden, das 9/11 Memorial besucht werden, Manhattan von oben im Helikopter angeschaut werden und last but not least ausgiebig geshoppt werden. Natürlich widmeten wir uns auch unserem Hobby, dem Fotografieren und besuchten diverse bekannte und weniger bekannte Plätze, wo man eine fantastische Aussicht auf die Skyline von New York hat.

Trotzdem waren wir froh, dass wir nun raus in die Natur und somit die Grossstadt hinter uns lassen konnten. Die Air Canada brachte uns am Abend nach Vancouver und bereits am nächsten Tag ging es weiter in einer 19-plätzigen Beechcraft 1900C der Pacific Coastal Airlines nach Bella Bella. Jetzt waren wir dort wo keine Strasse hinführt – im Great Bear Rainforest. Von Bella Bella ging es nochmals knappe 2h mit dem Boot bis zur Lodge. Hier leben die First Nations People (Kitasoo/Xai’xais) und sie wissen was für ein Juwel der Great Bear Rainforest ist. Dieser gemässigte Regenwald ist zwar kein Nationalpark aber hier ist die Trophäenjagd verboten – im Gegensatz zum Rest von Kanada – und das ist vor allem den Kitasoo/Xai’xais zu verdanken. Die Lodge gehört den Einheimischen und viele helfen mit – sei es als Bootsführer, Guide, Koch, Reinigungskraft, etc. So hört man immer tolle Stories und lernt ihre Kultur besser kennen und verstehen. Besonders interessant finden wir die Saga, dass es den weissen Spiritbär gibt, weil der Raben (eines ihrer Wappentiere) an die Zeit, wo das Land mit Gletschern überzogen war, erinnern wollte und deshalb 1 von 10 Schwarzbären weiss machte.

Das Wetter meinte es auch weiterhin gut mit uns, da wir während des ganzen Aufenthaltes Sonnenschein hatten und auch die Temperaturen angenehm waren. Das ist nicht selbstverständlich, da wir doch im Regenwald waren. Die Tage vergingen wie im Flug und wir konnten viele Grizzlybären, Schwarzbären, einen Spiritbär, Buckelwale, Weisskopfseeadler und Seelöwen beobachten. Die Buckelwale konnten wir sogar beim «bubble feeding» beobachten. Mit dieser Technik treiben sie die Fische mit Luftblasen zusammen und schiessen dann mit weit geöffneten Mäuler an die Wasseroberfläche und darüber hinaus. Was für ein eindrückliches Schauspiel!

Einziger Wermutstropfen war der Buckelwal, den wir verletzt und verfangen in einem Netz einer Zuchtlachs-Farm aufgefunden hatten. Unser Bootsführer hat sofort reagiert und die richtigen Stellen informiert, so dass am späten Nachmittag Rettungskräfte, welche direkt von Vancouver eingeflogen worden sind, mit der Rettung beginnen konnten und den Wal auch befreien konnten. Das arme Tier war über 12 Stunden in den Seilen verfangen und musste jedes Mal, wenn es zum Atmen an die Wasseroberfläche kam, einen Anker mitziehen, welcher bis 2t wiegen kann – darum die schlimmen Verletzungen! Unfassbar und traurig, aber glücklicherweise konnte der Buckelwal befreit werden. Über den Vorfall wurde sogar noch in den News berichtet.

Verletzter Buckelwal
Dieser Buckelwal hatte sich in einem Netz verfangen und kämpfte über 12h ums Überleben. Er konnte schlussendlich in einer 6-stündigen Rettungsaktion befreit werden. Vier andere Buckelwale blieben die ganze Zeit in seiner Nähe!

Die Begegnung mit dem Spiritbär war einzigartig. So sassen wir den ganzen Tag an einem Bach, welcher voller Lachse war. Wir warteten und warteten und warteten (Denise ist zwischenzeitlich mal für eine Stunde eingenickt) und plötzlich tauchte ein sehr gut genährtes Schwarzbären-Männchen auf. Unser Guide teilte uns mit, dass die Chance nun stark gesunken sei, hier einen Spiritbär zu treffen, da diese vom Wesen her sehr scheu sind und nun das dominante Bärenmännchen aufgetaucht ist und diesen Bachabschnitt sein Revier nannte. Dieser Schwarzbär verschwand aber nach drei gefressenen Lachsen wieder und dann passierte wieder mal nichts an diesem Bach – einzig die Lachse waren da. Als wir dann plötzlich unseren Guide sagen hörten: «There’s a spiritbear» und da doch tatsächlich ein weisser Bär beim Bach stand, waren wir dann doch ganz aus dem Häuschen und trauten unseren Augen kaum. Da wir uns im gemässigten Regenwald befanden und alles so schön mit Moos überwachsen war, fühlte es sich an wie in einem Märchen und unsere Freude war riesig. Nachdem er zwei Lachse verspeist hatte, verschwand er auch wieder so schnell im Bärenwald wie er aufgetaucht ist. Wie scheu der Spiritbär ist, sieht man daran, dass die Chance ihn zu sehen nur im späten August/September besteht, da er dann Lachse jagt und somit an den Bächen anzutreffen ist. Die restliche Zeit verbringt er irgendwo im Bärenwald weit weg von den Menschen.
Übrigens ist der Spiritbär kein Albino, sondern ein rezessives Gen ist dafür verantwortlich, dass das Fell weiss wird.

Die Tage im Great Bear Rainforest gingen leider zu schnell vorbei.

Am Schluss verbrachten wir noch 2 Tage im schönen Vancouver bevor wir wieder zurück in die Schweiz flogen.

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