Einmal über die Anden und wieder zurück

Lima – Cusco – Manu Nationalpark – Cusco – Machu Picchu – Cusco – Lima – Madrid – Zürich

Von Quito ging es mit dem Flugzeug via Lima nach Cusco, was auf 3’400 müM gelegen ist. Die Höhe merkten wir schon, als wir am Flughafen die ersten paar Treppenstufen bewältigen mussten, und dabei schon fast ein Sauerstoffzelt benötigten. Wir haben uns gefragt wie wir so den 2-tägigen Inkatrail schaffen sollten. Aber dazu später mehr.

Am nächsten Morgen wurden wir von Carlos – nach dem Galapagos-Carlos war er der Manu-Carlos – dem einheimischen Guide für die nächsten 8 Tage, abgeholt. Zusammen mit 4 Deutschen und 2 Schweizern, Fahrer Americano und dem Koch Luiz ging es am ersten Tag im Minivan auf staubigen, holprigen und halsbrecherischen Schotterpisten über die Anden bis auf knapp 5’000 müM, dann hinab nach Paucartambo und wieder hinauf. Der Parkeintritt des Manu Nationalpark liegt auf ca. 3’600 müM und von da geht es weiter – mit grandiosem Ausblick – den Andenosthang hinab bis in den Nebelwald, wo wir unsere erste Übernachtungsmöglichkeit hatten. Hier konnten wir eine Coca-Plantage besuchen. Dieser Besuch würde in anderen südamerikanischen Ländern, wo Coca angebaut wird, wahrscheinlich nicht gut enden, denn da werden – im Gegensatz zu Peru – die Plantagen hermetisch abgeriegelt und sogar mit Waffen bewacht. In Peru ist es den Bauern erlaubt Coca-Blätter anzupflanzen, zu ernten und zu trocknen. Dann ist die Arbeit für sie aber beendet und die Bauern müssen die Blätter vor Ort an die Regierung verkaufen, welche dann für den Transport und den Weiterverkauf zuständig ist. Da die Regierung die Bauern sehr schlecht bezahlt, werden die Blätter oft geschmuggelt. Wir liessen uns auch belehren, wie die natürliche Zusammensetzung von Coca ist und welche Stoffe hinzugefügt werden um Kokain zu produzieren.

Bald endete die Strasse und wir mussten in Atalaya ins motorisierte Kanu zügeln. Insgesamt dauerte unsere Reise 3 Tage bis wir am Zielort, der Casa Machiguenga ankamen. Ab hier dürfen die Touristen nicht mehr weiter in den Dschungel fahren, denn im Manu Nationalpark gibt es neben einer artenreichen Flora und Fauna auch indigene Völker, welche keinen Kontakt zu Fremden wünschen. Der Zutritt ist deshalb nur noch Forschern oder Personen, welche eine Einladung von einem der Stammesführer haben, gestattet. Die Casa Machiguenga wird übrigens auch von einem indigenen Volk geführt – dieses Volk will jedoch den Kontakt zu den fremden Touristen. So verbrachten wir 3 Tage und 3 Nächte ohne Strom und Warmwasser beim Machiguenga Volk. Als wir am ersten Abend erst nach Einbruch der Dunkelheit unsere Zimmer bezogen hatten, gab es bei uns einen Schreckmoment als wir die Kerze anzündeten: Denn an der Wand neben dem Bett sassen zwei riesige Spinnen. Bei Denise blieb beim Anblick dieser zwei Mitbewohner kurz das Herz stehen, hatte sie doch vorher nichtsahnend in der Dunkelheit noch den Rucksack genau daneben gestellt und kam mit ihrem Kopf den beiden ziemlich nah. Tscheggi war schon auf dem Weg um Carlos zu suchen. Dieser hatte so seine Freude an den schönen Spinnen und an den zwei Angsthasen aus der Schweiz. Er erklärte uns noch, dass eine der beiden Spinnen sehr giftig sei, aber überhaupt nicht aggressiv und nahm sie dann mit einem geübten Griff von der Wand um sie wieder in die Freiheit zu entlassen. Spätestens jetzt merkte man, dass er im Dschungel aufgewachsen ist. Die Tage verbrachten wir mit Bootstouren und Spaziergängen im Regenwald wo wir Riesenotter, einen Jaguar, verschiedene Affenarten, Faultiere, Capybaras, Tukane, Papageie, Kaimane und noch viele andere Vogelarten beobachten konnten. Dem Jaguar begegnete wir auf einer Sandbank nahe dem Fluss. Wir stoppten das Boot auf der anderen Flussseite und versanken beim Aussteigen zuerst mal knietief im Matsch. Durch unsere Aufregung beim Einsinken waren wir natürlich nicht die Leisesten, was zur Folge hatte, dass der Jaguar schnell das Weite suchte.

Der Manu Nationalpark ist 18’812 km2 gross und liegt im peruanische Gebiet Madre del Dios, welches zum Amazonasgebiet gehört. Das Gebiet umfasst 3 Zonen:

  • die für menschliche Besiedlung frei zugängliche kulturelle Zone (ca. 5%)
  • die Pufferzone, welche ca. 13% ausmacht und die für den eingeschränkten Tourismus zugelassen ist. Sie darf nur von lizenzierten Reiseagenturen, welche strenge Parkregeln erfüllen, besucht werden. Es ist nicht möglich auf eigene Faust die Pufferzone zu bereisen, denn man benötigt indigene Bootsfahrer und Guides
  • Die Kernzone, welche 82% des Gebiets ausmacht. Wie bereits erwähnt leben hier indigene Völker und der Besuch der Kernzone ist den Touristen untersagt

Gefährdung des Nationalparks Manu: Wie so vieles ist leider auch dieses Gebiet – trotz Nationalpark-Status – durch Erdgas- und Erdölvorkommen bedroht und man weiss nicht so richtig wie es mit dem Schutz weitergeht. So lange jedoch der Ökotourismus eine grosse Einnahmequelle ausmacht, ist das schon mal ein positives Zeichen für den Manu Nationalpark und kann als Druckmittel verwendet werden. Ausserdem  setzen sich zahlreiche Organisationen ein, u.a. die peruanische NGOs und die Menschenrechtsorganisation Survival International.

Auf dem Rückweg übernachteten wir 2 Nächte in der Nähe der Ortschaft Boca Manu, wo wir die Möglichkeit hatten, an einer Tapir-Salzecke im Dschungel zu übernachten. Leider zeigten sich keine Tapire, was wohl auch damit zu tun hatte, dass wir eine Person in der Gruppe hatten, die schnarchte wie ein Holzfäller. Ebenfalls konnten wir eine Ara-Lehmlecke besuchen, wo in Spitzenzeiten über 100 Papageie zu sehen sind. Da die Vögel z.T. giftige Früchte im Dschungel fressen benötigen sie danach Lehm, welcher ihrer Verdauung hilft, die giftigen Stoffe wieder auszuscheiden. Weiter ging es auf dem Rückweg mit dem motorisierten Kanu in das kleine Städtchen Colorado. Von da wurden wir mit dem Taxi ca. 1h zu einem anderen Fluss gefahren, den wir mit der Fähre überqueren mussten, bevor wir wieder in unseren Minivan steigen konnten um dann auf einer asphaltierten Strasse über die Anden nach Cuzco zu gelangen. Entweder hatte unser Minivan einen Defekt oder wir waren einfach überladen, denn über die knapp 5’000m hohen Anden kamen wir fast nicht vom Fleck, was zur Folge hatte, dass wir mit ca. 20km/h fahren mussten und sogar von vollbeladenen LKW’s bergauf überholt wurden! So kamen wir erst spät abends in Cusco an. Ein spezielles Kränzchen möchten wir unserem Koch Luiz widmen, denn der zauberte uns z.T. unter primitivsten Umständen leckere Menüs auf den Teller – und auch hier war immer etwas Vegetarisches dabei.

Nach einer sehr kurzen Nacht fuhren wir am nächsten Morgen nach Ollantaytambo um dort den Inka-Zug bis km 104 zu nehmen. Von dort startet der 2-tägige Inkatrail. Da wir uns hier in Höhenlagen zwischen 2’400 und 2’700 müM bewegten war unsere Sorge betreffend Sauerstoffzelt verflogen. Da man den Inkatrail nicht alleine bewandern darf und auch ein Permit benötigt, trafen wir bei km 104 auch unseren Guide Joel.

Vorbei an den Ruinen von Chachabamba wanderten wir zur ebenfalls sehr schönen Inka- Stätte Winay Wayna (Quechua: für immer jung) von wo man eine grandiose Aussicht auf das Urubamba-Tal und den gleichnamigen Fluss hat. Hier genossen wir die Aussicht und machten eine Lunchpause bevor es dann weiter ging Richtung Sonnentor. Das Gefühl, wenn man den Aufstieg zum Sonnentor geschafft hat und von dort den ersten Blick auf Machu Picchu werfen kann, ist einfach unbeschreiblich. Wir erkundeten noch ein wenig die Inka-Stätte bevor wir mit dem Bus nach Aguas Calientes fuhren. Auch den nächsten Tag verbrachten wir mit der Erkundung von Machu Picchu. Es ist schon erstaunlich wie weit fortgeschritten die Inkas für ihre Zeit waren. So dachten sie z.B. auch an die Hangsicherung, Wasserversorgung, etc.

Mit dem letzten Zug ging es abends zurück nach Cusco und am nächsten Tag via Lima und Madrid zurück nach Zürich.

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